Das Handbuch für Verbündete: Wie Sie sich mit behinderten Menschen solidarisch zeigen.

„Verbündete“ haben Privilegien, die sie jedoch für marginalisierte Gruppen einsetzen, indem sie konkrete, fortlaufende Maßnahmen ergreifen, um Unterdrückung abzubauen. Sie nehmen den Kampf für eine gleichberechtigte Teilhabe als ihren eigenen an und verstärken die Stimmen der Unterdrückten. Diese Liste stellt lediglich einen Ausgangspunkt für lebenslanges Lernen dar.

1. Hören Sie zu

Hören Sie sich an, was Menschen mit Behinderung zu sagen haben – entweder von Angesicht zu Angesicht, in ihrem Social-Media-Feed oder in Berichten, die Sie lesen. Erkennen Sie an, dass Sie Teil einer Gesellschaft sind, die behinderte Menschen diskriminiert. Als Verbündete*r gilt es viel Gelerntes zu „verlernen“ und ein Auge für bestimmte Dinge zu entwickeln. Im ersten Schritt geht es also darum, den Erlebnissen, Erfahrungen und Geschichten von Menschen mit Behinderung Gehör zu schenken.

2. Bilden Sie sich weiter

Suchen Sie aktiv nach Büchern, Blogs, Filmen und Zeitungsartikeln über die Geschichte der behinderten Menschen und setzen Sie sich mit aktuellen Fragestellungen auseinander. Ein guter Ausgangspunkt für die eigene Recherche ist sicher folgende Leseliste.

3. Bringen Sie sich ein

Schließen Sie sich Selbsthilfegruppen, Vereinen oder Verbänden an, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen. Abonnieren Sie ihre E-Mail-Newsletter, folgen Sie ihnen in den sozialen Medien und fragen Sie nach, wie Sie ihre Arbeit unterstützen können.

4. Zeigen Sie sich

Wenn Sie jemand aus der behinderten Community zu einer Veranstaltung einlädt, sollten Sie zuhören, lernen und Ihre Unterstützung zeigen.

5. Sagen Sie was

Wenn Freunde, Familienmitglieder, Mitarbeitende oder Fremde aus Unwissenheit etwas Diskriminierendes sagen, machen Sie sie direkt darauf aufmerksam. Nur die Stille erlaubt es der Unterdrückung sich fortzusetzen.

6. Haben Sie keine Angst

Nicht-behinderte Menschen sprechen aus Unsicherheit selten über Menschen mit Behinderung. Und wenn sie über behinderte Menschen sprechen, haben sie Angst etwas Falsches zu sagen und treten erst recht in Fettnäpfchen. Die Lösung: Entspannen Sie sich. Hier gibt es kein richtig und kein falsch. Bei Unsicherheiten gilt: Einfach nachfragen. Auf Ihrem Weg können Ängste und Unsicherheiten gute Indikatoren für Themengebiete oder Fragestellungen sein, an denen Sie noch weiter arbeiten sollten.

7. Öffnen Sie sich dem Unbequemen

Wenn Sie in sich auf einen politisch inkorrekten Gedanken, ein veraltetes Klischee oder ein Gefühl stoßen, das Sie dazu bringt sich unbehaglich oder gar peinlich berührt zu fühlen, schieben Sie es nicht einfach beiseite. Halten Sie es aus und fragen Sie sich, warum es sich gerade unangenehm anfühlt. Dies ist eine Gelegenheit, um zu wachsen.

8. Lernen Sie aus Ihren Fehlern

In der Auseinandersetzung mit der unfassbar vielfältigen, behinderten Community werden Sie zwangsläufig Fehler machen und in Fettnäpfchen treten. Sollten Sie dann von jemandem auf einen Fehler hingewiesen werden, gehen Sie nicht in die Defensive. Hören Sie zu, entschuldigen Sie sich und ändern Sie Ihr Verhalten in Zukunft.

9. Bleiben Sie am Ball

Auch wenn Überstunden zur Jobbeschreibung gehören, die Work-Life-Balance leidet oder der Biergarten im Sommer ruft, bleiben Sie engagiert! Die Unterdrückung dauert an und behinderte Menschen haben nicht das Privileg, „abzuschalten“.

10. Spenden Sie

Es gibt viele tolle Vereine, Verbände und Aktivist*innen, die sich für Inklusion und Barrierefreiheit engagieren und ihre Arbeit ehrenamtlich verrichten. Falls Sie es sich leisten können, unterstützen Sie diese Menschen finanziell – nicht nur einmal, sondern auf einer fortlaufenden Basis.

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