Fehlende Repräsentation in medizinischen Illustrationen

Eine medizinische, schematische Darstellung eines Fötus im Bauch der Mutter. Beide haben eine dunkle Hautfarbe.

Heute habe ich zum ersten Mal eine Illustration eines schwarzen Fötus gesehen und es hat etwas mit mir gemacht: Denn warum sehe ich nach all den Jahren beim Fernsehen erst jetzt eine medizinische Illustration, von einem Menschen, der nicht weiß ist? Warum ist mir das all die Jahre gar nicht aufgefallen?

In meiner Zeit als Grafiker habe ich viele 2D- und 3D-Animationen für das Medizin-Magazin „Visite“ (NDR) gestaltet und dafür einiges an Fachliteratur gelesen. Aber weder die zu Grunde liegende medizinische Literatur noch unsere Objekt-Datenbanken oder die von uns bis dahin erstellten Grafiken zeugten von Diversität.

Oft haben wir mit gläsernen Menschen gearbeitet und nur die betreffende Partie, z. B. einzelne Organe hervorgehoben. Sehr clean, sehr stilisiert. Absolut neutral. Aber auch unrealistisch und distanziert. Wenn wir uns für eine realistische Darstellung entschieden, war die Hautfarbe ganz selbstverständlich weiß. Ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass man es ja auch anders machen könnte. 

Heute habe ich realisiert, dass in meiner Vorstellung Babys im Bauch von Mamas immer weiß waren. Heute habe ich gelernt, dass meine rassistischen Denkmuster zu fehlender Repräsentation führen können und ich ohne es zu wollen, ein Teil davon war. Ohne bösem Willen und aufgrund meiner Sozialisation.

Lasst es uns ab jetzt gemeinsam besser machen!

Illustration von Chidiebere Ibe 👈

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